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Wasserschloss
Tatenhausen
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Bauwerk

Ein Haus aus mehreren Jahrhunderten: Auf mittelalterlichen Fundamenten stehen ein Renaissancebau von 1540, barocke Erweiterungen, ein Torhaus und eine Orangerie nach Plänen Johann Conrad Schlauns.

Die Anlage

Das Herrenhaus ist hufeisenförmig angelegt. Dazu gehören zwei Wirtschaftsgebäude und ein dreigeschossiges Torhaus. Die Gebäude stehen auf einem Rost aus Eichenpfählen im feuchten Grund der Laibachniederung, umgeben von Gräften, die der aufgestaute Laibach speist. Der Park liegt auf einer benachbarten Insel.

Renaissance ab 1540

Kupferstich-Zeichnung der Wappentafel am Treppenturm: zwei Wappen nebeneinander in einer Muschelnische, gerahmt von zwei Karyatiden, darunter die Inschrift ANNO DNI 1540.
Die Wappentafel am Treppenturm. Zeichnung nach einer Fotografie von Albert Ludorff, 1908.

Ab 1540 ließ Heinrich Korff genannt Schmising das Haupthaus und einen ersten Ostflügel mit Treppenturm errichten, im Stil der Weserrenaissance. Typisch für diesen Stil sind die Giebel mit halbrunden Aufsätzen, die sogenannten Radzinnengiebel. Am Treppenturm sitzt eine Wappentafel mit Doppelwappen und der Inschrift „anno dni 1540“.

Zum Baumeister. Die Datenbank des Europäischen Burgeninstituts beschreibt die Giebel als „Radzinnengiebel nach Jörg Unkair“. Das ist eine stilistische Zuordnung. Dass Unkair selbst in Tatenhausen gebaut hat, ist nicht belegt.

Barocke Erweiterungen

Um 1671 kam ein zweiter Ostflügel mit einem quadratischen Pavillonturm hinzu. Aus den Jahren 1619 und 1699 stammen zwei Hofportale. Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt das Schloss seinen heutigen Haupteingang, eine Terrasse und einen Westflügel in schlichtem Barock. Um 1739/40 entstand das Torhaus: dreigeschossig, mit fünf Fensterachsen, Walmdach und einem leicht vorspringenden Mittelteil.

Zu den Quellen. Die Stadt Halle schreibt, das Haupthaus sei zwischen 1730 und 1740 um einen Ostflügel erweitert worden. Wikipedia und das Europäische Burgeninstitut nennen für die Barockzeit dagegen den Westflügel.

Die Orangerie

Kupferstich-Zeichnung der Orangerie: zweigeschossiger Mittelpavillon mit geschwungenem Vorbau, Mansarddach, Balkon und Figuren, links ein niedriger Flügel mit Rundbogenfenstern.
Die Orangerie. Zeichnung nach einer Fotografie von Albert Ludorff, 1908.

1751 entstand die Orangerie, nach einem Entwurf des westfälischen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun. Das Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler von 1909 bildet den Originalplan aus der Schlaun-Sammlung ab. Der Bau hat einen ovalen Mittelteil mit Mansarddach und schmiedeeisernem Balkongitter, an den sich zwei niedrige Seitenhallen anschließen. Das zweigeschossige Mittelstück mit zwei Salons diente als Wintergarten und für gesellschaftliche Anlässe. Nach Angaben der Stadt Halle trägt die Orangerie den Namen „Franz-Annenburg“ nach den damaligen Schlossherren.

Auch die Orangerie ist heute bewohnt.

Zur Jahreszahl. Die meisten Quellen nennen 1751. Die Baubeschreibung des Europäischen Burgeninstituts datiert die Orangerie dagegen „um 1738“.

Die Schlosskapelle

Die Korff blieben nach der Reformation katholisch, ihre Umgebung wurde evangelisch. Bis zum Bau der Kirche im nahen Stockkämpen am Ende des 17. Jahrhunderts war die Schlosskapelle das einzige katholische Gotteshaus im weiten Umkreis. Ab 1666 versah dort der Franziskaner Dionysius Budde den Dienst als Schlossgeistlicher.

Nach Angaben der Stadt Halle steht in der Kapelle ein Barockaltar, der aus Rom stammen soll. Die Kapelle ist der einzige Innenraum, der bei Führungen gezeigt wird.

Baudenkmal

Die „Schlossanlage mit Rentei und landwirtschaftlichen Nebengebäuden, Orangerie, Bockemühle sowie umgebendem Park- und Waldbereich“ steht seit dem 2. Mai 1997 unter Denkmalschutz. Ebenfalls eingetragen sind der Gasthof Tatenhausen (1997) und das Alte Badehaus (2002), beide aus der Zeit des Kurbads.

Alle Gebäude des Schlosses sind bewohnt. Sie sind nur im Rahmen angemeldeter Führungen zugänglich – siehe Tatenhausen heute.