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Wasserschloss
Tatenhausen
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Geschichte

Aus einem befestigten Adelssitz des Mittelalters wurde ein Renaissance- und Barockschloss, Mittelpunkt einer Grundherrschaft und über 470 Jahre Sitz der Familie von Korff genannt Schmising.

Kupferstich-Zeichnung des dreigeschossigen Torhauses aus Bruchstein mit Torbogen, Brücke über die Gräfte und Zeltdach mit Uhr und Glockenlaterne.
Das Torhaus, um 1739/40 erbaut. Zeichnung nach einer Fotografie von Ath, gemeinfrei (CC0).

Ein Adelssitz im Wasser

Tatenhausen liegt in der Niederung des Laibachs, am Rand des Tatenhauser Waldes. Der aufgestaute Bach speist bis heute die Gräften und den Schlosssee. Auf dem Gelände stand schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine befestigte Anlage; ihre Fundamente trägt das heutige Schloss. Die Gebäude lagen ursprünglich auf zwei Inseln.

Politisch gehörte Tatenhausen zur Grafschaft Ravensberg und zum Kirchspiel Hörste – nicht zum Hochstift Münster, mit dem die späteren Besitzer eng verbunden waren.

Die Herren von Hoberg

Die ersten bekannten Besitzer stammen aus der Familie von Hoberg. Urkunden aus dem Archiv Tatenhausen nennen 1455 einen Reinke Hobreg und 1476 die Brüder Hinrick, Otte, Regneke und Bernd Hobergh. Als Herr von Tatenhausen ist 1491 Ritter Bernd von Hoberg belegt – diese Erwähnung gilt als die erste des Besitzes.

Auf Bernd folgte sein Sohn Jobst. Dessen Tochter Else, in den Quellen auch Elske genannt, wurde die Erbin von Tatenhausen.

Der Erbgang an die Korff

1524 heiratete Else von Hoberg Heinrich Korff genannt Schmising aus dem Haus Harkotten. Er brachte das väterliche Gut Lonn bei Telgte und Höfe im Münsterland mit. Über diese Heirat – nicht durch einen Kauf – kam Tatenhausen an die Familie Korff, die es bis 1995 besaß.

Zur Jahreszahl. Für den Übergang des Besitzes nennen die Quellen unterschiedliche Jahre: Die Heirat ist für 1524 belegt, die Bau- und Kunstdenkmäler von 1909 nennen 1525 für den Übergang an den Schwiegersohn, die Stadt Halle nennt 1543.

Der Neubau von 1540

Heinrich Korff ließ das Schloss ab 1540 neu errichten. Am Treppenturm erinnert eine Wappentafel mit Doppelwappen und der Inschrift „anno dni 1540“ an den Bauherrn. Haupthaus und erster Ostflügel entstanden im Stil der Weserrenaissance; in den folgenden zwei Jahrhunderten wuchs die Anlage weiter. Mehr dazu steht auf der Seite Bauwerk.

Aufstieg im 17. und 18. Jahrhundert

Kaspar Heinrich von Korff genannt Schmising (1616–1690) stand als Rat in brandenburgischen Diensten – Brandenburg besaß die Grafschaft Ravensberg – und war zugleich Drost zu Iburg. Danach richtete sich die Familie zunehmend auf das Stift Münster aus: 1683 erwarb sie ein Burgmannsgut in Nienborg, 1684 wurde sie zur münsterschen Ritterschaft aufgeschworen.

Am 4. September 1692 wurde die Familie in Wien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. In dieser Zeit wuchs auch der Grundbesitz. Zu den Erwerbungen gehörten:

  • 1687/88 Gut Wittenstein im Kirchspiel Versmold,
  • 1706 Gut Duderstadt und 1707 die Grotenburg,
  • 1710 Engsterstein im Kirchspiel Dülmen und 1712 Bellering im Kirchspiel Laer, beide über einen Domherrn der Familie,
  • 1717 Gut Wieck und 1721 der Masthof, den ein weiterer Domherr der Familie dem Stammherrn vermachte.

Mehrere Familienmitglieder machten Karriere in Kirche und Verwaltung, als Drosten, Domherren und Gesandte. Die wichtigsten stellt die Seite Familien vor.

Fideikommiss und Krise

Am 14. Juni 1778 wurde der Besitz in einen Fideikommiss eingebracht. Diese Rechtsform sollte ein Familienvermögen dauerhaft zusammenhalten: Die Güter durften nicht geteilt oder frei verkauft werden und gingen nach einer festen Erbfolge weiter.

Geschützt war der Besitz damit nicht vor Schulden. Als Clemens August Heinrich von Korff genannt Schmising die Güter 1785 übernahm, standen sie vor dem Konkurs. Ihm gelang es, sie zu retten.

Umbruch um 1800

Mit dem Ende des Alten Reiches änderte sich die Welt des westfälischen Adels grundlegend. Das Hochstift Münster, in dem viele Familienmitglieder Ämter innehatten, wurde 1802 von Preußen besetzt und 1803 aufgelöst. Bokel gehörte von 1807 bis 1813 zum Königreich Westphalen und kam 1816 zum neu gebildeten preußischen Kreis Halle.

Am 17. Januar 1816 wurde Clemens August Heinrich in den preußischen Grafenstand erhoben. Sein Sohn Maximilian Frederik Hendrik, bis 1811 Drost zu Cloppenburg, zog sich danach auf Tatenhausen zurück. Dessen jüngerer Bruder Franz von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock, Herr auf Schloss Brincke, wurde 1816 erster Landrat des Kreises Halle.

Ein Dichter in Tatenhausen

Von 1812 bis 1816 lebte Friedrich Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg mit seiner Familie in Tatenhausen. Der Dichter und Übersetzer, geboren 1750 in Bramstedt, gehörte in seiner Jugend zum Göttinger Hainbund. Mit den Korff war er verwandt: Seine Tochter Julie heiratete im März 1812 Franz von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock. Das virtuelle Museum der Stadt Halle beschreibt den Aufenthalt als Zuflucht vor der französischen Überwachung.

Im Herbst 1816 zog Stolberg nach Gut Sondermühlen bei Melle, wo er am 5. Dezember 1819 starb. Begraben wurde er in Stockkämpen. Dort liegen auch Gräber der gräflichen Familie Korff-Schmising; ihr früheres Mausoleum dient heute als Friedhofskapelle.

Zur Jahreszahl. Die meisten Quellen nennen 1812 bis 1816. Ein Wikipedia-Artikel über den Ortsteil Bokel gibt dagegen 1810 bis 1813 an.

Gut und Grundherrschaft

Das Schloss war Mittelpunkt einer Grundherrschaft. Zu Tatenhausen gehörten Höfe, deren Bauern der Gutsherrschaft Abgaben und Dienste schuldeten. Akten über die Tatenhauser Kolonate im Kirchspiel Werther reichen von 1455 bis 1818. Sie handeln von Wechselbriefen, Sterbfall und Freibriefen – den Abgaben und Urkunden der Eigenbehörigkeit –, von Freilassungen um 1800 und von einem Rechtsstreit der Kolonen gegen die Korff-Schmising im Jahr 1812.

Das Gutsarchiv liegt heute als Depositum im LWL-Archivamt für Westfalen in Münster. Allein der Urkundenbestand umfasst 658 Urkunden aus den Jahren 1353 bis 1909.

Das 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert blieb Tatenhausen Rittergut und Familiensitz. Zeitweise war es zugleich Kurort – davon erzählt die Seite Kurbad. Zwei Herren auf Tatenhausen führten den Kreis Halle als Landrat: Klemens Graf von Korff genannt Schmising (1804–1882) von 1855 bis 1875 und sein gleichnamiger Sohn (1834–1921) von 1896 bis 1911. Der Ältere ersteigerte 1842 auch das benachbarte Gut Steinhausen.

Um 1904 übernahm Maximilian von Korff-Schmising (1870–1951) Tatenhausen; zuvor hatte er einige Jahre auf Steinhausen gewohnt. Über die Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre auf Tatenhausen liegen in den zugänglichen Quellen kaum Angaben vor.

1995 endete die Besitzzeit der Korff-Schmising nach über 470 Jahren. Durch Erbschaft ging Tatenhausen an die Familie Teuffel von Birkensee, die von den Grafen von Korff-Schmising abstammt.